16.10.2024

Geschätzte Lesedauer: etwa 6 Minuten.

SQL Server – ein Dauerbrenner in Lizenzfragen

SQL Server – ein Dauerbrenner in Lizenzfragen

Die Lizenzierung von SQL-Servern ist ein Thema, das in der IT-Landschaft immer wieder für Kopfzerbrechen sorgt. Die Vielzahl an Editionen und Lizenzmodellen macht es schwierig, den Überblick zu behalten und gleichzeitig sicherzustellen, dass die rechtlichen Anforderungen erfüllt werden. Angesichts der Komplexität und der potenziell hohen Kosten ist es entscheidend, über die verschiedenen Optionen informiert zu sein, um kosteneffizient handeln zu können.

In unserem heutigen Blogbeitrag werfen wir einen Blick auf die Grundlagen der Lizenzierung von SQL Server und zeigen Ihnen zudem die möglichen Herausforderungen auf, die Sie erwarten können. Unsere Erfahrungen aus SAM-Projekten zeigen, dass viele Unternehmen auf ähnliche Stolpersteine stoßen – diese beleuchten wir hier.

Grundlagen der Lizenzierung von SQL Server

SQL Server bietet eine Reihe von Editionen mit jeweils spezifischen Funktionen und Lizenzierungsoptionen. Abhängig von der gewählten Edition gibt es verschiedene Lizenzmodelle, deren Richtlinien sich von Version zu Version unterscheiden können.

Die aktuelle Version 2022 liefert Microsoft in zwei lizenzpflichtigen Editionen aus:

  • Standard: bietet eine grundlegende Datenverwaltung für kleine und mittlere Unternehmen.
  • Enterprise: liefert umfassende High-End Rechenzentrumsfunktionen für größere Kunden mit einem hohen Virtualisierungsgrad.

Neben diesen beiden existieren noch zwei kostenlose Edition in Form von Express und Developer mit jeweils spezifischen Richtlinien sowie Einschränkungen.

Als Lizenzmodelle stehen uns aktuell das Server/CAL-Modell oder eine Core-basierte Lizenzierung (per Core-Modell) zur Auswahl.

Das Server/CAL-Modell erfordert sowohl eine Serverlizenz für jeden Serverhost, auf dem die Serversoftware ausgeführt wird, als auch Zugriffslizenzen (CALs) für jeden Benutzer oder jedes Gerät, das auf diesen Server zugreift. Dieses Modell ist nur in der Standard-Edition verfügbar.

Im Gegensatz dazu wird beim Core-Modell nicht der Server als Ganzes, sondern die physischen Prozessorkerne des Servers mit entsprechenden Core-Lizenzen lizenziert. Anders als im Server/CAL-Modell werden für den Zugriff keine CALs benötigt. Dieses Lizenzmodell ist neben der Standard-Edition auch im SQL Server Enterprise verfügbar.

Die Hauptunterschiede zwischen diesen beiden Lizenzmodellen liegen vor allem in der Flexibilität und den Kosten. Während das Server/CAL-Modell günstiger sein kann, wenn nur wenige Benutzer oder Geräte zugreifen, bietet das Core-basierte Modell Vorteile in Umgebungen mit vielen Benutzern oder komplexen Anwendungen.

Virtualisierung und ihre Auswirkungen auf die SQL-Lizenzierung

Während in der Vergangenheit Serversoftware noch direkt auf dem jeweiligen Server ausgeführt und entsprechend lizenziert wurde, haben technische Neuerungen wie die Virtualisierung (Ausführung von Systemen und Software innerhalb von virtuellen Maschinen) sowie die Einführung von Mehrkernprozessoren eine zusätzliche Komplexitätsstufe mit sich gebracht. Diese Komplexität spiegelt sich heute auch in der Lizenzierung wider und stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen im Umgang mit dieser.

Besonders relevant ist dies beim Verschieben von Instanzen zwischen physischen Hosts. Doch in welcher Form ist Virtualisierung mit dem SQL Server überhaupt möglich?

Dies hängt zum einen vom Lizenzmodell ab.

Im Server/CAL-Modell erlaubt uns der Erwerb und die Zuweisung einer Serverlizenz das Ausführen einer physischen oder virtuellen Instanz (VM) auf dem lizenzierten Host. Dabei ist zu beachten, dass, wie bereits erwähnt, für den Zugriff entsprechende CALs benötigt werden.

Etwas komplizierter wird die Lizenzierung bei der Verwendung des Lizenzmodells per Core.

Die Ausführung von SQL Server Standard in einer virtuellen Betriebssystemumgebung ist bei einer Lizenzierung per Core grundsätzlich nicht möglich, weshalb für diese Zwecke zunächst SQL Server Enterprise zur Verfügung steht. In der Enterprise Edition haben wir die Möglichkeit virtuelle Instanzen abhängig von der Anzahl unserer Prozessorkerne bzw. unbegrenzt auszuführen, je nachdem ob wir über eine aktive Software Assurance verfügen oder nicht.

Apropos Software Assurance.

Ein weiterer Faktor, den es beim Kauf von Lizenzen zu beachten gilt, ist die sogenannte Software Assurance (SA). Je nach Lizenzvertrag ist diese beim Erwerb mit enthalten oder nicht.

Der Hauptvorteil, den eine SA während ihrer Laufzeit bietet, liegt vor allem in der Berechtigung, neuere Versionen der jeweiligen Software zu nutzen. Darüber hinaus bringt sie noch weitere Vorteile mit sich, die insbesondere bei der Nutzung von SQL Server von Bedeutung sein können.

Zum einen bietet sie bei der Nutzung von SQL Server Enterprise eine unbegrenzte Virtualisierung. Darüber hinaus besteht im Core-Modell die Möglichkeit, einzelne virtuelle Maschinen zu lizenzieren. Statt der Gesamtzahl der Prozessorkerne in unserem Host lizenzieren wir hier die virtuellen Kerne einzelner VMs, auf denen wir SQL Server ausführen möchten. Diese Option erlaubt es uns somit auch im Core-Modell SQL Server Standard in virtuellen Maschinen auszuführen.

Lizenzmobilität

Grundsätzlich gilt es zu beachten, dass zugewiesene Lizenzen erst nach 90 Tagen neu zugewiesen werden können. Dies ist insbesondere dann problematisch, wenn VMs flexibel zwischen Hosts verschoben werden sollen, sei es aus Gründen der Ausfallsicherheit oder des Lastausgleichs. Auch hier schafft die Software Assurance Abhilfe.

Einen weiteren Vorteil der SA stellt hierbei nämlich die Lizenzmobilität innerhalb einer Serverfarm dar. Diese erlaubt, wie der Name schon sagt, das Verschieben von Server- bzw. Core-Lizenzen zwischen den Hosts innerhalb einer Serverfarm, was die Flexibilität beim Einsatz von SQL Server deutlich erhöht.

Wann lohnt sich eine SA?

Die oben beschriebenen Beispiele zeigen, dass eine Software Assurance insbesondere im Bereich der Virtualisierung eine wichtige Komponente darstellt. Darüber hinaus hat Microsoft im Laufe der Jahre die Szenarien, in denen eine Software Assurance eine unabdingbare Voraussetzung für die SQL Server-Lizenzierung ist, stetig erweitert. Ein gutes Beispiel hierfür ist SQL Server in der Version 2022, in der Lizenzen ohne eine SA nicht mehr einzelnen VMs zugeordnet werden können.

Weitere Szenarien, in denen eine Software Assurance essenziell ist, sind u. a.:

  • Azure Hybrid Benefit: Einsparungsmöglichkeiten beim Einsatz von SQL Server in Microsoft Azure.
  • Fail-Over Szenarien: Nutzung passiver SQL Server Instanzen zur Ausfallsicherheit.
  • Flexible Virtualization Benefit: Nutzen bestehender Lizenzen bei Hosting-Anbietern.
  • Lizenzmobilität durch SA: Nutzen bestehender Lizenzen bei Cloud-Anbietern wie AWS oder Google.

Wir hoffen, dass unser Ausflug in die SQL Server-Lizenzierung Ihnen einen guten ersten Einblick in die Grundlagen sowie die möglichen Herausforderungen bieten konnte. Wenn Sie mehr zu diesem Thema oder weiteren Szenarien wie z. B. der Nutzung von SQL Server in Microsoft Azure, den Besonderheiten beim Bezug über CSP oder Tipps zur Kosteneinsparung erfahren möchten, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren.

Für Fragen oder eine umfassende Beratung stehen Ihnen die Lizenzkönner gerne zur Seite.

Für einen tieferen Einblick in die komplexe Welt der Microsoft-Lizenzierung bieten wir Ihnen außerdem die Teilnahme an unserem 2-tägigen Microsoft Lizenz-Pro- (MLP-)Training Online via Teams an. Hier werden fundierte Grundlagen zur Lizenzierung von Microsoft-Produkten von unseren Lizenzexperten praxisnah vermittelt. Die Termine für unsere kommenden Schulungen finden Sie hier auf unserer Webseite.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Termin buchen »Zurück zum Blog »